Ein Autor stellt sich vor Wilhelm Karkoska
E in Ende ohne Anfang…              Jahreswechsel 1999/2000, Riesenfete, 130 Leute, reichhaltiges Buffet und affengeiles Rahmenprogramm. Livemusik. Genau das richtige Ambiente für eine gelungene Jahrtausendparty. Ganz nach meinem Geschmack. Welch eine Aussicht für meine Familie und mich auf einen ereignisreichen Abend mit vielen Höhepunkten, den wir so schnell nicht vergessen sollten. Habe und konnte ich auch nicht. Hätte ich aber gern. Mir wären zu dem Zeitpunkt damals dann ganz bestimmt unzählige Bauschmerzen und auch sonstige Unannehmlichkeiten erspart geblieben. Ohne diesen Abend. Heute weiß ich, dass das nicht die Lösung meines Problems gewesen wäre. Die Bauchtrakturen hätten mich eingeholt, mich krampfartig überfallen mit einer vielleicht noch stärkeren Intensität. So erlebte ich einen smarten Einstieg in meine schmerzvolle Zukunft. Diese Fete trug dazu bei.  Alles war für diesen geschichtsträchtigen Jahreswechsel vorbereitet. Die Einlader zu diesem  Hammer-Sylvester-Event, Musiker der Band Rainmen, Mucker aus der Region, die immerhin 5  LP’s aufzuweisen hatten. Leider ohne durchschlagenden Erfolg. Dafür war ein Live-Erlebnis mit  denen ein einziges Musikfest. Die standen lange Jahre bei der WEA in Hamburg, einem der  führenden internationalen Plattenkonzerne, unter Vertrag. Den Deal hatte ich damals eingefädelt,  war danach jahrelang der Agent von denen, bis wir uns aus finanziellen Gründen voneinander  trennten. Irgendwann in den Achtzigern löste sich Rainmen auf. Jeder ging seinen Weg.  Immerhin schaffte es Martin, der Sänger, zu einiger Fernsehpräsenz. Er spielte über Jahre hin in  verschiedenen Serien in Nebenrollen mit.    Die Gastgeber hatten viele Bekannte, Freunde samt Familien mit Kind und Kegel auf einen  einsamen im Hamburger Norden liegenden Bauernhof eingeladen. Sich alle erdenkliche Mühe  gegeben, diesen Tag für alle, die gekommen waren, zu einem unvergesslichen Ereignis werden  zu lassen. Und wir standen auf der Gästeliste. Ein Umstand, über den ich mich damals sehr  freute, zumal ich mit den Jungs schon seit Längerem keinen Kontakt mehr hatte. Meinen letzten  Gig mit denen hatte ich Anfang der Achtziger.  Maybrit, meine Frau, von mir immer liebevoll May genannt, ich und unsere jüngste Tochter  Marie waren am Silvestertag 1999/2000 damit beschäftigt, uns auf dieses bevorstehende  Jubelereignis einzustimmen. Unsere älteren Töchter Claudia und Jannette haderten noch mit ihrer  Entscheidung, ob sie mit uns mitgehen sollten oder ihre eigenen Wege mit ihren Freunden von  unserer Wohnstraße in Hamburg-Eppendorf. Wir hatten dort vor Jahren ein älteres  Einfamilienhaus gekauft, mit viel Energie und DM-Spritzen zu einem gemütlichen Heim  umbauen lassen. Privatparty zu Hause in der Nachbarschaft kontra Fete mit vielen ihnen nicht  bekannten Leuten ihrer Eltern, mit denen sie sowieso nichts anfangen konnten. Das war die  Ausgangssituation. Claudia war 17, Jannette 16, Marie, unser Nachkömmling, dagegen gerade  erst 8 Jahre alt. Diese Entscheidung sollten die Großen selbstständig treffen.   „Müssen wir da unbedingt mit hin. Da sind doch nur alte Typen. Und die Musik, na ja,  wahrscheinlich alles Oldiekram, der uns sowieso nicht interessiert.“   Jannette hatte sich zum Sprachrohr für ihre ältere Schwester befördert. „Quatsch, ihr könnt ruhig mit euren Freunden feiern. Aber um eins spätestens seid ihr wieder zu  Hause.“    May klärte die Angelegenheit, schien irgendwie erleichtert, dass Claudia und Jannette nicht  mitkommen wollten. Sie machte auch keinerlei Anstalten die Großen davon zu überzeugen, dass  sie eine ganz außergewöhnliche Party verpassen würden. Auch sie wusste, dass dort auch andere  Jugendliche mit an Bord waren. Einige von denen kannten unsere Mädchen von früheren  Besuchen her. Mays Reaktion kam mir schon komisch vor. Auf mich wirkte alles so, als hätte sie  selber gar keine Lust, zu dieser Silvestersause zu gehen. Eine Aussage von ihr   „Tom, ich habe keinen Bock auf diese Fete. Lass uns lieber zu Hause bleiben“, hätte ich  verstanden. Sie aber schwieg.    „Trennungsblues“ von Wilhelm Karkoska ab sofort erhältlich!  ––––––––––––––––––––––––––––––
Trennungsblues Seite  2
Home Home Autorenvita Autorenvita Meine Bücher Meine Bücher Gästebuch Gästebuch News News Links Links Impressum Impressum